Gedanken zur Freimaurerei
Redaktion der Johannisloge „Blücher von Wahlstadt“
Brüderlichkeit ist einer der zentralen Werte der Freimaurerei. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Ist Brüderlichkeit lediglich ein Ausdruck gegenseitiger Verbundenheit, oder beinhaltet sie eine tiefere Verpflichtung gegenüber unseren Mitmenschen?
Für Freimaurer ist Brüderlichkeit weit mehr als ein freundschaftliches Verhältnis. Sie ist eine Haltung, die sich im Denken, im Handeln und im Umgang miteinander zeigen soll.
Brüderlichkeit beginnt mit gegenseitigem Respekt
In einer Freimaurerloge begegnen sich Männer unterschiedlicher Herkunft, Berufe, Überzeugungen und Lebenserfahrungen. Was sie verbindet, ist nicht die Gleichheit ihrer Ansichten, sondern die Bereitschaft, einander mit Achtung und Offenheit zu begegnen.
Brüderlichkeit bedeutet deshalb nicht, immer einer Meinung zu sein. Vielmehr fordert sie dazu auf, Unterschiede auszuhalten, aufmerksam zuzuhören und auch im Widerspruch den Menschen hinter einer Meinung zu erkennen.
Gerade darin liegt eine besondere Herausforderung: den anderen nicht danach zu beurteilen, wie sehr er uns ähnelt, sondern danach, wie wir ihm als Mensch begegnen.
Die Arbeit an sich selbst
Die Freimaurerei versteht sich als ein Weg der persönlichen Entwicklung. Das bekannte Sinnbild der Arbeit am rauen Stein erinnert daran, dass jeder Mensch an seinem eigenen Charakter arbeiten kann.
Brüderlichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit.
Wer Geduld, Verständnis und Nachsicht von anderen erwartet, muss bereit sein, diese Eigenschaften auch selbst zu entwickeln. Wer Respekt erfahren möchte, sollte ihn anderen entgegenbringen.
So wird Brüderlichkeit zu einer täglichen Aufgabe, die nicht an den Türen des Logenhauses endet.
Brüderlichkeit im Leben einer Loge
Innerhalb einer Loge entsteht Brüderlichkeit nicht allein durch gemeinsame Zusammenkünfte oder Traditionen. Sie entwickelt sich durch Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Dazu gehört auch, offen miteinander zu sprechen, Kritik respektvoll zu äußern und bei Meinungsverschiedenheiten nach Verständigung zu suchen.
Eine lebendige Bruderschaft zeigt sich nicht darin, dass Konflikte niemals entstehen. Sie zeigt sich vielmehr darin, wie die Brüder mit solchen Situationen umgehen.
Ein Wert über die Loge hinaus
Freimaurerische Brüderlichkeit richtet sich nicht ausschließlich auf die Mitglieder einer Loge. Die Achtung vor der Würde des Menschen, Hilfsbereitschaft und verantwortungsvolles Handeln sollen auch im gesellschaftlichen und persönlichen Alltag ihren Ausdruck finden.
Wer Brüderlichkeit ernst nimmt, begegnet seinen Mitmenschen nicht nur mit Worten, sondern auch durch sein Verhalten.
Die Freimaurerei bietet dafür Anregungen und einen geschützten Rahmen zur persönlichen Auseinandersetzung. Die eigentliche Bewährungsprobe findet jedoch im täglichen Leben statt.
Brüderlichkeit als fortwährende Aufgabe
Brüderlichkeit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und anschließend besitzt. Sie muss immer wieder neu gelebt und bewahrt werden.
Vielleicht liegt gerade darin eine ihrer wichtigsten freimaurerischen Lehren: Nicht die Vollkommenheit des Einzelnen steht im Mittelpunkt, sondern die aufrichtige Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und anderen Menschen mit Achtung zu begegnen.
Die Johannisloge „Blücher von Wahlstadt“ im Orient Berlin versteht die Beschäftigung mit solchen Werten als einen wesentlichen Bestandteil ihres freimaurerischen Weges.
Wer sich näher mit der Freimaurerei beschäftigen möchte, ist eingeladen, unsere Loge und ihre Gästeabende kennenzulernen.